THE WOLF FROM ROYAL VINEYARD STREET

VLK Z KRÁLOVSKÝCH VINOHRAG

Tschechische Republik, Slowakei, Frankreich 2016, R: Jan Němec

Format: DCP // Sprachfassung: OmeU

Mit seinem letzten Film inszeniert der im März 2016 verstorbene Jan Němec, einer der Wegbereiter der tschechoslowakischen „Neuen Welle“, eine selbstironische Rückschau auf sein Leben. Im Fokus steht das Filmfestival Cannes 1968, auf dem drei tschechoslowakische Filme um die in Aussicht gestellten Preise gebracht wurden, weil politisch links stehende Filmemacher um Jean-Luc Godard den Abbruch des Festivals erzwangen.

Der tschechische Regisseur John Jan ist wütend auf Godard, weil der verhindert hat, dass Jans Film in Cannes einen Preis gewinnt. Als Godard nach der Besetzung der Tschechoslowakei auch noch die Okkupation gutheißt, will Jan ihn umzubringen. Danach emigriert er in den Westen, wo niemand seine Filme kennt. Er sucht nach reichen Sponsoren, hofft sogar auf Geld von Donald Trump, schlägt sich schließlich mit Auftragsfilmen durch. Nach 1989 kann er in die Heimat zurückkehren, hier erwarten ihn (allzu) späte Ehrungen. Nach Motiven aus eigenen Erzählungen verfilmte Němec ein für die Zeit typisches Schicksal wie einen verrückten Ritt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion. Tatsache ist, dass, so wie der Regisseur selbst, viele Intellektuelle und Künstler zur Emigration gezwungen waren. Vielversprechende Karrieren endeten häufig im Nichts, auch die Hoffnung auf eine neue intellektuelle Heimat wurde enttäuscht – linke Ideen in Ost und West waren zu verschieden.

CF