Kapitel 6

CHICO

Ungarn, Kroatien, Deutschland, Chile 2001, R: Ibolya Fekete

Format: 35mm, Beta SP // Sprachfassung: OmeU

Chico wuchs als Ungar in Lateinamerika auf, sein Leben ist geprägt von der Idee der Weltrevolution. Die Hoffnung auf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bestimmte sein Denken und Tun ein Leben lang, er war Guerillero und Teil einer großen Familie, verstreut über die ganze Welt und gewöhnt an den Kampf für die Idee. Nach dem Ende des Sozialismus in Europa ist alles in Frage gestellt, und Chico wird zum Kämpfer ohne Ziele.

Chico – halb Ungar, halb Bolivianer, halb Jude, halb Katholik – ist Sohn ungarischer Kommunisten, die nach Südamerika in die Aura von Che Guevara emigriert waren, um ihr Leben der Weltrevolution zu widmen. Die Revolutionen in Lateinamerika scheiterten, nach dem Putsch 1973 floh die Familie aus Chile in das sozialistische Heimatland Ungarn. Für Chico steht fest, dass er der Idee weiterhin als Kämpfer dienen wird, und der Geheimdienst nimmt den sprachgewandten und prinzipienfesten Mann auch gerne auf. Nur ist dieser nicht an die starren Hierarchien eines Staatssozialismus gewöhnt und scheitert. Mit dem Ende des Sozialismus in Ungarn verliert er endgültig seine ideologische Heimat und weiß nicht mehr, wie und wo er für die Weltrevolution kämpfen soll. Er geht ins ehemalige Jugoslawien, um für die nationale Unabhängigkeit Kroatiens zu kämpfen, findet sich dort aber nur noch als Söldner in einem schmutzigen Krieg wieder.

KF