Kapitel 4

DER SCHWARZE KASTEN

DDR 1990—1992, R: Tamara Trampe

Format: 16mm, Beta-Tape // Sprachfassung: deutsche OV

Bereits im Februar 1990 trat ein Mann aus der unsichtbar-konspirativen Masse zahlloser Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR hervor und sagte: „Mit uns spricht ja keiner“. Er wollte stellvertretend für seine Genossen Zeugnis ablegen. Tamara Trampe und Johann Feindt waren bereit, dieses Gespräch zu führen. Ein Jahr lang sprachen sie mit Dr. Jochen Girke, Oberstleutnant der Staatssicherheit und Dozent für ‚Operative Psychologie’.

Anfang 1990 war die Staatssicherheit der DDR noch aktiv, ein Blick hinter die hohen Mauern der Stasi-Trutzburgen und insbesondere hinter die Fassade der willfährigen Mitarbeiter war eine Ungeheuerlichkeit und ein dringendes Bedürfnis vieler Menschen. Der Film befasst sich mit dieser einen Biografie, versucht im Umfeld des Oberstleutnant und Dozenten Jochen Girke und in vielen Gesprächen mit ihm vor laufender Kamera zu erkunden, wie er geworden ist, was er ist und wer er eigentlich ist. Er hatte in der Stasi-Hochschule spätere Vernehmer, Führungsoffiziere und Haftpsychologen in operativer Psychologie unterrichtet, ihnen gezeigt, wie man Menschen manipuliert und „zersetzt“. Sein Credo 1990 ist: er wollte es humaner machen, freundlicher! Dass es tiefstes Unrecht war, was er getan hat, kann er nicht sehen – trotz hartnäckiger Nachfragen der Filmautoren. So weißt der Film über seine Zeit hinaus und gibt uns eine bittere Wahrheit mit auf den Weg.

KF