Kapitel 4

AUS DEM BLICKWINKEL EINES NACHTWÄCHTERS

Z PUNKTU WIDZENIA NOCNEGO

Polen 1979, R: Krzysztof Kieślowski

Format: DVD // Sprachfassung: OmeU

Mitte der 70er-Jahre fragten viele polnische Filmemacher sich und ihre Zuschauer, ob das Land wirklich noch auf dem Weg dorthin ist, wohin es einst aufbrach. Etwa, wenn jemand wie der „Held“ dieses Films seinen Dienst als Fabrikpförtner vor allem darin sieht, andere zu drangsalieren, und sich selbst damit auch noch als Stütze der Gesellschaft.

Weit entfernt davon, den Sozialismus als solchen in Frage zu stellen, legten die Mitte der 70er-Jahre in Polen entstandenen Filme der „moralischen Unruhe“ gleichwohl den Finger in so manche Wunde des sich selbst als Zukunft der Menschheit sehenden Systems. Sogar Krzysztof Kieślowski, den Helden seiner Dokumentarfilme sonst stets zugeneigt, brachte in diesem einen Film jemanden auf die Leinwand, vor dem es einem nur gruseln mag: Pförtner eines Großbetriebs, kann er schon im Dienst seine Lust, andere zu kontrollieren und zu drangsalieren, ausleben. So geht es auch nach Feierabend kaum besser weiter: Schulschwänzer vorm Kino, Liebespaare im Park, Angler ohne Angelschein werden von ihm genauso gnadenlos gejagt wie wer am Werktor in der Eile seine Stechkarte nicht ordentlich abstempelt. In Deutschland würde man so jemandem eine typische „Blockwart-Mentalität“ bescheinigen, und so fragt Kieślowski seine Zuschauer, wie das wohl dazu passen soll, worauf allenthalben das Etikett „Sozialismus“ prangt.

PN