Kapitel 3

SCHIMMERNDE WINDE

FÉNYES SZELEK

Ungarn 1968, R: Miklós Jancsó

Format: Blu-Ray, DCP // Sprachfassung: OmeU

Zu Zeiten der Studentenrevolte im Westen greift in Ungarn Miklós Jancsó auf die frühen Jahre der jungen ungarischen Volksrepublik zurück. Auch damals gab es harte ideologische Auseinandersetzungen unter den Studenten, die unterschiedlich radikal ausgefochten wurden. In dem für ihn typischen visuellen Stil choreografierter Massenbewegungen macht er den Diskurs sinnlich wahrnehmbar, prallen die gegnerischen Gruppen auf einander, ziehen sich an und stoßen sich ab.

Kurz nach Gründung der ungarischen Volksrepublik (1947) besucht eine Schülergruppe des kommunistisch inspirierten Volkskollegiums ein kirchliches Gymnasium, um mit den dortigen Schülern über die Grundlagen des Marxismus zu diskutieren. Zunächst knüpfen sie zwanglosen Kontakt, singen und baden miteinander. Doch so leicht sind die konservativen Gymnasiasten von den Vorzügen der neuen Zeit nicht zu überzeugen. Unterschiedliche Haltungen, Theorien und historische Erfahrungen prallen auf einander. Die Agitationsgruppe ist uneins über ihre Taktik – soll man überzeugen oder sich radikalisieren?
Jáncsó, Ikone des ungarischen Films und Meister der langen Kameraeinstellungen, war als junger Mann einst selbst Student eines Volkskollegiums und beschreibt diese zeitlos gültigen ideologischen Kontroversen in dem Jahr, als im Westen ähnliche Debatten geführt wurden, die in der Studentenrevolte und der „Außerparlamentarischen Opposition“ der 1968er und – in der extrem radikalisierten Form – auch in der terroristischen RAF mündeten.

KF