Kapitel 2

DER MENSCH IST KEIN VOGEL

ČOVEK NIJE TICA

Jugoslawien [Serbien] 1965, R: Dušan Makavejev

Format: 35mm (Qualität 3) // Sprachfassung: OmeU

Routine und Illusionen in der ostserbischen Industrieprovinz, Mitte der 1960er-Jahre: die Liebesgeschichte eines Ingenieurs, der sich in eine Friseurin verliebt. Mit assoziativem Scharfsinn und anarchischem Witz erzählte Geschichten über Sozialismus und Industrialisierung, über Patriarchat und gesellschaftliche Enge.

Jugoslawien genoss unter den sozialistischen Ländern Europas einen Sonderstatus. Im Rahmen des von Staatschef Tito propagierten „Dritten Weges“ wurden der Bevölkerung Freiheiten zugestanden, die in den Warschauer Pakt-Ländern undenkbar waren. Die Zensur für das Kino arbeitete in den einzelnen Republiken unterschiedlich, serbische Filmemacher wurden zu den Wegbereitern der „Schwarzen Welle“, die in den 1960er-Jahren die Regierungspraxis von links kritisierte.
Dušan Makavejev, einer der einflussreichsten dieser Regisseure, beschreibt in seinem Spielfilmdebüt die komplexen Widersprüche, wenn sozialistische Utopie auf Alltag trifft. „Wir glauben noch an Magie – in anderen Ländern fliegt man zum Mond“, beschreibt ein Hypnotiseur das Paralleluniversum von Technik- und Aberglaube. Am Ende stirbt die Hoffnung zuletzt, aber sie stirbt eben: Der Mensch ist kein Vogel.

BB