Kapitel 1

TAGEBUCH FÜR MEINE KINDER

NAPLÓ GYERMEKEIMNEK

Ungarn 1982, R: Márta Mészáros

Format: Blu-Ray, DCP // Sprachfassung: OmeU

In vier Spielfilmen arbeitete Márta Mészáros ihre eigene Biografie und die politische Entwicklung auf. Als Kind kommunistischer Eltern wuchs sie in der Sowjetunion auf. Ihr Vater, ein bekannter ungarischer Bildhauer, wurde Opfer des stalinistischen Terrors. Nach dem Tod der Mutter nahmen die Genossen das Schulkind in das nun sozialistische Ungarn mit nach Hause. In einem langen schmerzhaften Erkenntnisprozess erlebte sie die Perversion der kommunistischen Idee in der Realität.

Kurz nach dem Tod ihrer Eltern wird die halbwüchsige Juli 1945 von den ungarischen Genossen, die aus der Emigration nach Budapest zurückkehren, mitgenommen. Magda, eine kinderlose hochrangige Genossin, nimmt sie zu sich in ihre neue Villa. Juli hadert sehr mit der neuen Umgebung, den verhärteten Prinzipien der Genossen und ihrer Isolierung vom „gewöhnlichen“ Leben. Sie träumt sich lieber im Kino in eine zauberhafte, lustvolle Welt, statt sich von Magdas Privilegien verführen zu lassen. Einzig in János, der dem neuen Regime zunehmend kritisch gegenübersteht, findet sie einen Vertrauten. Als sie bemerkt, dass Magda die Todesursache ihres Vaters kennt und verschwiegen hat, verlässt sie die Bonzenvilla und zieht zu János und seiner Familie, die – inzwischen in Ungnade gefallen – in einer beengten Arbeiterwohnung leben.

KF