• Kapitel 1:
    Der Mensch zwischen Ideologie und Geschichte

    • DER MANN AUS MARMOR

      Polen 1976, R: Andrzej Wajda

      Ein wie vom Erdboden verschluckter „Bestarbeiter“ der frühen 1950er-Jahre, eine Filmstudentin, die sich wundert, warum dieses Thema plötzlich nicht mehr filmreif sein soll, Zeitzeugen schließlich, die sich nur ungern erinnern – Wajdas Film über den langen Schatten des Stalinismus öffnete eine Tür, die sich danach nie mehr restlos schl...

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    • DIE REUE

      UdSSR 1987, R: Tengiz Abuladze

      Filmklassiker aus der Perestroika-Zeit. Der Regisseur selber bezeichnete seine Totalitarismus-Metapher als „Schwalbe der Perestroika“. Die absurd-surrealistische Geschichte über den tyrannischen Bürgermeister einer georgischen Kleinstadt lief nach anfänglichem Verbot ab 1986 in der Sowjetunion und wurde im Oktober 1987 zum Gegenstand einer Filmkritik in der „Jungen Welt“, die als deutliches Zeichen der Abkoppe...

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    • TAGEBUCH FÜR MEINE KINDER

      Ungarn 1982, R: Márta Mészáros

      In vier Spielfilmen arbeitete Márta Mészáros ihre eigene Biografie und die politische Entwicklung auf. Als Kind kommunistischer Eltern wuchs sie in der Sowjetunion auf. Ihr Vater, ein bekannter ungarischer Bildhauer, wurde Opfer des stalinistischen Terrors. Nach dem Tod der Mutter nahmen die Genossen das Schulkind in das nun...

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    • ENGELCHEN, MACH' FREUDE

      Turkmenistan, Russland 1993, R: Usman Saparov

      Georg, Sohn einer deutschstämmigen Familie in Usbekistan, muss mit ansehen, wie seine Eltern von Soldaten verhaftet und deportiert werden. Der nun auf sich alleine gestellte 12-Jährige entgeht knapp dem Kinderheim und flüchtet von Versteck zu Versteck. Usman Saparov zeigt offen die Widersprüche zwischen der herrschenden sozialistischen Ideo...

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    • 1917 – DER WAHRE OKTOBER

      Deutschland, Schweiz 2017, R: Katrin Rothe

      Von den Februar-Aufständen bis zur Machtübernahme durch die Bolschewiki – im Revolutionsjahr 1917 schöpften auch zahlreiche Künstler neue Hoffnung. Doch die Aufbruchstimmung von Avantgardisten wie Kasimir Malevich, Vladimir Majakowski oder Alexander Benoit ging schon bald in den Mühlen des neuen Systems verloren.

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  • Kapitel 2:
    Plan und Gegenwart

    • DER MENSCH IST KEIN VOGEL

      Jugoslawien [Serbien] 1965, R: Dušan Makavejev

      Routine und Illusionen in der ostserbischen Industrieprovinz, Mitte der 1960er-Jahre: die Liebesgeschichte eines Ingenieurs, der sich in eine Friseurin verliebt. Mit assoziativem Scharfsinn und anarchischem Witz erzählte Geschichten über Sozialismus und Industrialisierung, über Patriarchat und gesellschaftliche Enge.

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    • EIN KURZER ARBEITSTAG

      Polen 1981, R: Krzysztof Kieślowski

      Nach von der Regierung beschlossenen drastischen Preiserhöhungen kommt es im Juni 1976 im südostpolnischen Radom zu Streiks und zur Belagerung des örtlichen Parteikomitees, das schließlich gestürmt und in Brand gesteckt wird. Jahrelang verboten, versucht der Film das Geschehen aus Sicht des damaligen 1. Parteisekretärs von Radom zu rekons...

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    • UND ES KOMMT NOCH SCHLIMMER

      Tschechische Republik 2007, R: Petr Nikolaev

      Sex, Drugs and Rock ‘n‘ Roll in der nordböhmischen Provinz der 1970er-Jahre. In den trostlosen Jahren nach der Niederschlagung des Prager Frühlings, als alles im Einheitsgrau versank und einige Unangepasste im sozialen und kulturellen „Underground“ einen Rest von Freiheit fanden.

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    • SEQUENZEN

      Rumänien 1982, R: Alexandru Tatos

      SEQUENZEN wird als fünftbester unter den rumänischen ‚Top Ten’- Filmen geführt und hat die Regisseure der aktuellen rumänischen Filmlandschaft, wie u. a. Cristi Puiu, stark beeinflusst. Er beschreibt in drei Teilen, teils dokumentarisch gefilmt, das Alltagsleben in Rumänien zu Beginn der 1980er-Jahre.

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    • KARLA

      DDR 1965, R: Hermann Zschoche

      Voller Begeisterung tritt die junge Karla Blum ihre erste Stelle als Lehrerin einer Oberschule an. Mit ihren unkonventionellen Denkansätzen trifft sie jedoch schnell auf Widerstände. Herrmann Zschoches Plädoyer für selbständiges und kritisches Denken fiel wie viele andere Filme, die Mitte der 1960er-Jahre entstanden, der Zensur durch...

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    • DIE ARCHITEKTEN

      DDR 1990, R: Peter Kahane

      Nach Jahren des beruflichen Stillstandes bekommt Architekt Daniel Brenner unverhofft die Chance, seine Vision in Form eines repräsentativen Kulturbaus zu verwirklichen. Ausgestattet mit Gestaltungsmacht und großzügigen Budget,  macht er sich an die Umsetzung – nicht ahnend, auf welche Widerstände er im praktischen Alltag des lethargischen Spätsozialismus treffen ...

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  • Kapitel 3:
    Autoritäre Gesellschaft: Anpassungsdruck und Absurdität

    • ALLE GUTEN LANDSLEUTE

      ČSSR 1969, R: Vojtěch Jasný

      Vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher Umbrüche wie Kriegsende, kommunistischer Machtübernahme und Kollektivierung der Landwirtschaft erzählt dieser 1969 in Cannes mit dem Preis für die beste Regie preisgekrönte Film die dramatischen Schicksale der Bewohner eines mährischen Dorfes, die in den Jahren 1945 bis 1958 mit staatlicher Willkür und Gr...

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    • EIN FALL FÜR EINEN HENKERSLEHRLING

      ČSSR 1970, R: Pavel Juráček

      Der frei nach Jonathan Swifts satirischem Roman „Gullivers Reisen“ gedrehte Film führt den Helden mit viel Sarkasmus in das seltsame Land Balnibarbi, das den absurden Alltag in einer Diktatur spiegelt. Die Menschen hier interessieren sich nicht mehr für die Wahrheit, lieber befolgen sie absurde Regeln und leben ihr gewohn...

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    • SCHIMMERNDE WINDE

      Ungarn 1968, R: Miklós Jancsó

      Zu Zeiten der Studentenrevolte im Westen greift in Ungarn Miklós Jancsó auf die frühen Jahre der jungen ungarischen Volksrepublik zurück. Auch damals gab es harte ideologische Auseinandersetzungen unter den Studenten, die unterschiedlich radikal ausgefochten wurden. In dem für ihn typischen visuellen Stil choreografierter Massenbewegungen macht er den D...

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    • DAS LAND HINTER DEM REGENBOGEN

      DDR 1990, R: Herwig Kipping

      Die Vision des Kommunismus, legiert mit den Realitäten des kleinen Dorfes Stalina und gipfelnd im 17. Juni 1953 – ein märchenhaftes und satirisch überhöhtes Panoptikum im Spannungsfeld zwischen Utopie und Realität. Der Film erhielt 1992 den Deutschen Filmpreis.

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  • Kapitel 4:
    Staaten im Staat: Die geheimen Seiten des Systems

    • DER SCHWARZE KASTEN

      DDR 1990—1992, R: Tamara Trampe

      Bereits im Februar 1990 trat ein Mann aus der unsichtbar-konspirativen Masse zahlloser Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR hervor und sagte: „Mit uns spricht ja keiner“. Er wollte stellvertretend für seine Genossen Zeugnis ablegen. Tamara Trampe und Johann Feindt waren bereit, dieses Gespräch zu führen. Ein Jahr lang sprachen sie mit...

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    • DIE KINDER DES FECHTERS

      Finnland, Deutschland, Estland 2015, R: Klaus Härö

      Ein von Stalins Geheimpolizei gesuchter Fechter taucht in einer estnischen Kleinstadt als Sportlehrer unter und begeistert die Kinder für den Fechtsport. Der gilt im Stalinismus jedoch als „bourgeois" ...

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    • AUS DEM BLICKWINKEL EINES NACHTWÄCHTERS

      Polen 1979, R: Krzysztof Kieślowski

      Mitte der 70er-Jahre fragten viele polnische Filmemacher sich und ihre Zuschauer, ob das Land wirklich noch auf dem Weg dorthin ist, wohin es einst aufbrach. Etwa, wenn jemand wie der „Held“ dieses Films seinen Dienst als Fabrikpförtner vor allem darin sieht, andere zu drangsalieren, und sich selbst damit auch noch ...

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    • QUOD ERAT DEMONSTRANDUM

      Rumänien 2013, R: Andrei Gruzsnicki

      Unter die Haut gehende Darstellung der Lebensumstände während der Ceausescu-Zeit. Der Film zeigt sehr eindrucksvoll die allgegenwärtig vorherrschende Furcht, durch falsche Äußerungen oder Verhaltensweisen in Schwierigkeiten zu geraten, das berufliche Fortkommen zu verhindern oder sogar im Gefängnis zu landen.

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  • Kapitel 5:
    Ironie und Schicksal: Satire als Gegenwartsbewältigung

    • DER AUSFLUG

      Polen 1968, R: Marek Piwowski

      Ein Ausflugsdampfer auf der Weichsel Ende der 60er-Jahre, auf ihm eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft von lauter schrecklich durchschnittlichen Mitmenschen, die zu unterhalten einer von ihnen zum „Kultur- und Bildungsinstrukteur“ gemacht wird: ein Panoptikum der Absurditäten realsozialistischen Kulturbetriebs und Kultfilm zugleich, bis heute.

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    • DER ZEUGE

      Ungarn 1969, R: Péter Bacsó

      Eine Filmsatire über die Mechanismen politischer Machtausübung zur Zeit des Stalinismus in Ungarn. József Pelikán, ein einfacher Deichwächter, soll benutzt werden, um seinen zum Minister avancierten Jugendfreund Dániel aus dem Weg zu räumen. Um Pelikán gefügig zu machen, betraut man ihn mit Aufgaben,...

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    • DER REDNER

      Usbekistan 1999, R: Yusup Razykov

      Die Errichtung der Sowjetmacht in Usbekistan und die Zwangsbefreiung der muslimischen Frauen von der  Verschleierung wird in Yusup Razykovs Film auf groteske Art und Weise offenbar. Er schildert mit viel Ironie und Empathie die Zerrissenheit der Menschen zwischen der neuen bolschewistischen Ideologie und traditionellen islamischen Werten.

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  • Kapitel 6:
    Ideale und Idealisierung: Ost-West-Vergleiche

    • THE WOLF FROM ROYAL VINEYARD STREET

      Tschechische Republik, Slowakei, Frankreich 2016, R: Jan Němec

      Mit seinem letzten Film inszeniert der im März 2016 verstorbene Jan Němec, einer der Wegbereiter der tschechoslowakischen „Neuen Welle“, eine selbstironische Rückschau auf sein Leben. Im Fokus steht das Filmfestival Cannes 1968, auf dem drei tschechoslowakische Filme um die in Aussicht gestellten Preise gebracht wurden, weil politisch links stehende Filmema...

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    • DIE REISE MIT VATER

      Deutschland, Rumänien, Ungarn 2016, R: Anca Miruna Lazarescu

      So nah und doch so fern: Nachdem die Truppen des Warschauer Pakts in der Tschechoslowakei einmarschieren, wird die Reise einer rumäniendeutschen Familie in die DDR zur Odyssee durch Deutschland-Ost und Deutschland-West und die Wirren unterschiedlicher pro-sozialistischer Ideologien. Eine persönliche Erfahrung.

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    • EINER TRAGE DES ANDEREN LAST

      DDR 1987, R: Lothar Warneke

      Zu Beginn der 1950er-Jahre werden ein Offizier der Volkspolizei und ein evangelischer Seelsorger durch eine Tuberkuloseerkrankung zwangsweise zu Zimmergenossen in einem Sanatorium. Im Spannungsfeld zwischen Stalin und Jesus und Parteiversammlung und Bibelstunde beginnt ein zarter Dialog zwischen zwei – auf den ersten Blick – unvereinbaren Weltanschauungen.

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    • CHICO

      Ungarn, Kroatien, Deutschland, Chile 2001, R: Ibolya Fekete

      Chico wuchs als Ungar in Lateinamerika auf, sein Leben ist geprägt von der Idee der Weltrevolution. Die Hoffnung auf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bestimmte sein Denken und Tun ein Leben lang, er war Guerillero und Teil einer großen Familie, verstreut über die ganze Welt und gewöhnt an den K...

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